Wolfgang Lettl, Der Grenzgänger (2007)
Wolfgang Lettl, Der Grenzgänger (2007)

Die Wärme im Surrealismus

Warum Wolfgang Lettl anders ist

Wer sich mit dem klassischen Surrealismus der 1920er Jahre beschäftigt, stößt oft auf eine kühle, nihilistische Welt. Viele der frühen Surrealisten nutzten das Traumhafte und Absurde vor allem als rebellische Provokation gegen bürgerliche Normen oder um die Zerrissenheit der Welt darzustellen. Ihnen fehlte oft der Glaube – und damit eine tragende Basis.

Hier unterscheidet sich das Lebenswerk von Wolfgang Lettl grundlegend. Religion und Surrealismus teilen dieselbe tiefe Sehnsucht: Sie suchen beide nach dem, was sich hinter der sichtbaren Wirklichkeit verbirgt. Doch wo andere in der Kälte des Nihilismus steckenblieben, fußte Lettls „seelische Tiefseetaucherei“ auf einem festen Fundament aus Glaube und Liebe.

In all seinen Bildern lässt sich diese Liebe unmittelbar spüren:

  • Die reine Liebe zum Malen und zum feinen, altmeisterlichen Detail.
  • Eine tiefe, humane Liebe zu den Menschen und ihren Schwächen.
  • Eine unbändige, staunende Liebe am Leben und an der Schöpfung selbst.

So ist die Liebe das unsichtbare Band in Lettls Kunst. Es sorgt dafür, dass seine Bilder den Betrachter trotz all ihrer Rätselhaftigkeit und gesellschaftskritischen Tiefe nicht abstoßen oder verstören. Im Gegenteil: Sie strahlen eine zutiefst menschliche Empathie und Wärme aus. Genau diese emotionale Verbindung ist es, die fast alle Besucher im LETTL-Museum für surreale Kunst in Augsburg spüren und so tief im Herzen berührt.