Wolfgang Lettl und Salvador Dalí – Teil 3

Wolfgang Lettl, Herr und Hahn (1955)
Wolfgang Lettl, Herr und Hahn (1955)

Zwei gegensätzliche Charaktere in der Welt des Surrealismus

von Florian

Obwohl Salvador Dalí und Wolfgang Lettl dieselbe künstlerische Sprache teilten – nämlich die des Surrealismus, waren ihre Persönlichkeiten und Lebensweisen radikal gegensätzlich. Während der Spanier nach Theatralik und absoluter Selbstinszenierung strebte, entschied sich der Deutsche für Zurückhaltung und philosophische Reflexion.

Salvador Dalí war nicht nur ein Maler, sondern ein lebendes Kunstwerk und ein Meister der Selbstinszenierung. Sein Charakter war geprägt von einem tiefen Egozentrismus und dem instinktiven Bedürfnis, im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stehen. Mit seinem ikonischen, nach oben gebogenen Schnurrbart, spektakulären Auftritten und provokanten Äußerungen liebte es Dalí, in die Medien zu kommen. Er war fasziniert von Ruhm und Reichtum, eine durch Gala, seine Ehefrau, geförderte Besessenheit, die ihm den von André Breton verliehenen Spitznamen „Avida Dollars“ einbrachte.

Hinter dieser lautstarken exhibitionistischen Fassade verbarg sich allerdings ein zutiefst zerbrechlicher Mann, der von Phobien, Hypochondrie und der Angst vor dem Tod geplagt war.

Am anderen Ende des Spektrums steht Wolfgang Lettl, dessen Charakter tief in Bescheidenheit, Bodenständigkeit und Zurückhaltung verwurzelt war. Lettl lehnte zeitlebens den für den Kunstmarkt so typischen und vor allem Wert steigernden Personenkult ab und verhielt sich wie ein wahrer „Anti-Star“. Für ihn war die Malerei kein Mittel zur Selbstdarstellung, sondern eine Möglichkeit, tiefgründig über das Menschsein und die Absurditäten des Lebens nachzudenken. Er verfügte über einen subtilen, bisweilen bissigen und ironischen Humor, mit dem er die Gesellschaft kritisierte, ohne jemals die direkte Konfrontation zu suchen. Der wirtschaftliche Erfolg trat bei ihm in den Hintergrund. Ihn interessierte eigentlich nur sein nächstes Bild. Es war die Neugier, was da als nächstes aus seiner inneren Welt das Tageslicht erblicken würde.

Wolfgang Lettl war ein Philosoph mit dem Pinsel in der Hand, der es verstand, den Surrealismus zu nutzen, um mit Intelligenz und Demut die Welt, in der er lebte, zu reflektieren.

Wer tiefer in die Person „Dalí“ blicken will, dem empfehle ich die Titelgeschichte der SPIEGEL-Ausgabe 1/1961 mit dem Titel „ Avida Dollars “.

Wer tiefer in die Person „Lettl“ blicken will, dem empfehle ich einen Besuch im LETTL-Museum in Augsburg.

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