Wolfgang Lettl und Salvador Dalí – Teil 2
Interview (1979)
- Franz R. Miller:
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Salvador Dalí …?
- Wolfgang Lettl:
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Dalí habe ich einmal Ende der 50ger Jahre² in seinem Haus in Port Lligat besucht.
Ich wurde von einem Wärter in eine große Eingangshalle geführt. Dort war eine Art Altar aufgebaut mit zwei ausgestopften Schwänen links und rechts.
Dalí empfing mich mit einem Drink.
Er war zunächst erfreut, dass ein Besucher aus Deutschland kam, bald aber enttäuscht, dass ich nur ein Maler war, kein Journalist oder sonst ein wichtiger Mensch.
Ich wollte ja eigentlich nur sehen, ob er spinnt oder nicht oder inwiefern.
Seinen berühmten Bart hatte er nicht aufgeklebt. Nein direkt gesponnen hat er nicht, aber aus Propagandagründen sehr geschickt und mit großem Erfolg bei den Medien den Hanswursten gespielt.
Man ist geneigt zu sagen: Schade, dass er meinte, das nötig zu haben. Aber vielleicht gab ihm das in seiner inneren Unsicherheit einigen Halt, die einzige Möglichkeit er selber zu sein.
¹ Foto: Roger Higgins, New York World-Telegram & Sun Collection / Library of Congress via Wikimedia Commons, Public Domain
²
Die Begegnung fand am Sonntag, dem 7. Mai 1961, statt.
Anmerkungen von Florian Lettl
Weitere Äußerungen zu Dalí von meinem Vater gibt es nicht, aber aus diesen Zeilen geht deutlich hervor, dass mein Vater das genaue Gegenteil von Dalí war.
Das Einzige, was sie gemeinsam hatten, war die Tatsache, dass beide in sich selbst blickten, aber da sie zwei völlig unterschiedliche Persönlichkeiten waren, hatten sie natürlich auch ein sehr unterschiedliches Innenleben. Man könnte ihr Innenleben und damit ihre Persönlichkeit entschlüsseln, indem man einfach die Bilder betrachtet, die sie gemalt haben.
Ich mache es mir hier etwas einfacher:
Beide hatten einen Schnurrbart.
Der eine hatte einen aufgeklebten, der andere einen echten.
Nun stelle ich mir Salvador Dalí vor, wie er abends seinen künstlichen Künstlerschnurrbart abnahm, in den Spiegel blickte und erkennen musste, dass sein ganzes Tun nur eine Inszenierung ist, während Wolfgang Lettl durch und durch authentisch war.